Klimaschutz am Esstisch

Auf Weltklimakonferenzen wird über globale Erderwärmung und gemeinsame Lösungen diskutiert, um den Emissionsausstoß zu begrenzen. Vom eigenen Alltag scheint dies allerdings abstrakt und weit entfernt. Dennoch: jeder Einzelne kann schon in der heimischen Küche viel zum Klimaschutz beitragen.

Unsere Lebensmittel erzeugen Treibhausgase und die sind verantwortlich für die Erderwärmung. Denn wenn fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas verbrannt werden, entsteht CO2 - also Kohlendioxid. Das passiert bei der Tomate aus dem beheizten Gewächshaus genauso wie in der Kühltheke. Leider ist Kohlendioxid zu drei Viertel für den so genannten Treibhauseffekt verantwortlich. 

Um unsere eigene Klimabilanz zu verbessern, können wir gezielt nach Nahrung greifen, die weniger Treibhausgase verursacht. Weil unsere eigene Kaufentscheidung entscheidend ist, hat auch die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) „die 10 Regeln“ für gesunde Ernährungsempfehlungen vergangenes Jahr erweitert. Denn Fakt ist auch, dass Klima schonendes Verhalten gleichzeitig unserer Gesundheit zu Gute kommt. 

Gründe genug also, das eigene Einkaufsverhalten unter die Lupe zu nehmen. 

 

Zurück zum Sonntagsbraten

Ernährungswissenschaftler empfehlen 300 bis 600 Gramm Fleisch oder Wurst pro Woche zu verzehren. Dem gegenüber stand 2012 ein tatsächlicher Pro-Kopf Verbrauch von fast 200 Gramm pro Tag, wie der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie bekannt gab. 

Den Emissionswert einzelner Lebensmittel vom Erzeuger bis zum Teller zu ermitteln und zu vergleichen ist kompliziert. Unbestritten ist allerdings, dass tierische Produkte das Klima deutlich mehr belasten als pflanzliche Lebensmittel. 

Zusätzlich zu den Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft kommt in den Mägen von Wiederkäuern Methan vor, das aus dem Darmtrakt der Kühe frei wird. Methan ist ebenso wie CO2 für den Treibhauseffekt verantwortlich. Darum haben Rindfleisch, Käse und Butter eine schlechtere Klimabilanz als Geflügel oder Schwein. 

Allerdings sind auch Schwein und Geflügel keine Alternativen, denn die Tiere erhalten Kraftfutter meist auf Sojabasis, was wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche verbraucht und oft lange Transportwege bedeutet. 

Tipp: Bio Fleisch schneidet in der Klimabilanz besser ab als konventionelle Produkte, weil die Produktion der Futtermittel möglichst innerhalb eines geschlossenen Stoff- und Energiekreislaufs erfolgt und vor allem ohne synthetische Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel sind.

Fazit: Weniger Fleisch auf dem Teller ist ein wertvoller Schritt in Richtung Klimaschutz und gleichzeitig gesünder. Fleisch ist aufwendig in der Produktion und verbraucht Ressourcen. Es ist ein wertvolles Lebensmittel und sollte demnach möglichst nur ein- bis zweimal in der Woche aber dafür in sehr guter Qualität auf dem Tisch stehen.  

 

Lebensmittelverschwendung: Gut geplant ist fast verbraucht 

Im letzten Jahr wurden die Verbraucher durch viele Medienberichte zum Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisiert. Sogar die EU setzte sich das Ziel, 50 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel in allen Mitgliedsstaaten zu vermeiden. Allein in Deutschland ermittelte das Bundesministerium etwa 5,8 bis 7,5 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle in den Haushalten. Umgerechnet sind das 16,6 bis 21,6 Milliarden Euro bzw. 200 Euro pro Jahr und Haushalt, die wir uns sparen können. Vor allem Obst und Gemüse machen den größten Anteil vermeidbarer Abfälle aus, dicht gefolgt von Backwaren. 

Tipp: Die meisten Lebensmittel sind auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch einwandfrei genießbar.

Fazit: Eine gute Planung und eine passende Lagerung hilft meistens Wunder. Wer außerdem noch Omas alte Kochbücher hat, findet hilfreiche Tipps zur Resteverwertung. Und schließlich ist die Verarbeitung und der Verbrauch aller eingekauften Lebensmittel eine wertschätzende Haltung dem eigenen Geldbeutel und dem Erzeuger gegenüber. 

 

Saisonal und Regional

Vielen Verbrauchern ist es inzwischen wichtig, dass ihre Lebensmittel aus der Region stammen. Das ist auch gut so, spart Transportwege und hilft unserem Klima. Hat das Gemüse oder Obst dann auch noch Saison, hat die Lebensmittelwahl in punkto Klimaschutz meist schon die Nase vorn. Denn Obst und Gemüse aus Übersee oder einem künstlich warm gehaltenem Gewächshaus belastet das Klima um ein Vielfaches mehr als heimische Freilandware. Es sei denn ein Gewächshaus wird mit regenerativen Energien betrieben. Um das aber zu wissen, sollte der Betrieb gut bekannt sein… 

Tipp: Wer regionale Saisonware lose, also ohne Verpackungsmaterial vom Wochenmarkt oder der Gemüseabteilung wählt, ist garantiert auf dem richtigen Weg. 

Fazit: Obst und Gemüse innerhalb der Saison und aus der Region ist die beste Wahl 

 

Bio Obst und Gemüse bevorzugt

In der konventionellen Landwirtschaft setzen die Bauern mineralische Stickstoffdünger und synthetische Pestizide ein. Diese müssen nicht nur unter Energieaufwand hergestellt werden, sondern es entsteht Lachgas - ein weiteres Treibhaugas- beim Abbau mineralischem Stickstoffdünger im Boden. 

Tipp: Bisher existiert keine vergleichende Klimabilanz von EU Bio Ware und Bio Obst und Gemüse aus einem der sechs Anbauverbände. Ein Ergebnis kann möglicherweise nur Einzelfälle betreffen. Aber die Verbände haben aber oft strengere Regeln, die auch die Klimabilanz positiv verändern könnte. 

Fazit: Bio Obst und Gemüse haben meist eine bessere Klimabilanz als konventionell erzeugte Ware


Mehr Klimaschutz in der Küche kann mit der Lebensmittelauswahl beginnen, muss dort aber nicht aufhören. Die Lagerung und Zubereitung unserer Speisen verschlingt ebenfalls viel Energie. Die erste Wahl sollten darum Kühlschrank und Gefriertruhe mit dem Energielabel A+++ sein. Beim Kochen sind Induktions- oder Gasherde besonders günstig. Allerdings hilft oft auch schon garen oder kochen mit einem Deckel auf einer passenden Herdplatte. 

Wer außerdem zu Fuß geht, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln einkaufen fährt verringert seine eigene Klimabilanz ganz erheblich und tut noch etwas für seine Gesundheit. In großen Familien oder bei schlechten Einkaufsmöglichkeiten ist dies in der Praxis jedoch nicht immer möglich. Hier kann auch ein gut geplanter Wocheneinkauf trotzdem viele unnötige Wege einsparen.


Text: Ariane Post 

Ariane Post ist Diplom Oecotrophologin und Journalistin und schreibt vor allem über Bio, Nachhaltigkeit und den Außer-Haus-Markt. Mehr unter www.bioimpuls-redaktion.de