Eine Woche für den Fairen Handel:
Zahlreiche Akteure informieren


„Ich bin Fairer Handel“. So lautet das Motto der 13. Fairen Woche vom 12.-26. September. Organisiert wird die Faire Woche vom Forum Fairer Handel, dem Netzwerk des Fairen Handels in Deutschland in Kooperation mit TransFair e.V. und dem Weltladen Dachverband. Supermärkte, Weltläden oder auch gastronomische Betriebe bieten bundesweit unterschiedliche Aktionen, um über Produkte und Prinzipien des Fairen Handels zu informieren.

Bio Republic sprach mit Georg Knipping, FAIR-Handelsberater beim Arbeitskreis eine Welt e.V. , Vertriebsleiter bei der FAIR Handelsgesellschaft mbH und ehrenamtlicher Mitarbeiter im Weltladen Münster (Westfalen).

Das Team vom Weltladen Münster freut sich schon auf die Faire Woche 2015.

Herr Knipping, unter www.faire-woche.de sind alle angebotenen Aktionen zur Fairen Woche eingetragen und in verschiedenen Themenbereichen auffindbar. Ihre geplante Aktion für den Weltladen Münster ist unter anderem als „Weltladenaktion zur Supermarktmacht“ kategorisiert. Was genau hat es damit auf sich? 
Als Weltladen gehören wir dem Weltladen Dachverband an und haben uns damit verpflichtet, am jährlichen Weltladentag im Mai teilzunehmen. Dieser ist oft Auftakt einer mehrjährigen Kampagne. In diesem Jahr lag der Fokus auf "Mensch. Macht. Handel. Fair“. Das Motto hat das Ziel auf die Machtkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel aufmerksam zu machen. 

Unser Weltladen beschäftigt sich mit dem Motto auch aus der Perspektive eines Einzelhandelsfachgeschäftes weiter. Wir möchten unter anderem unsere Glaubwürdigkeit nicht zuletzt wegen der organisierten Struktur von Weltläden während der Fairen Woche transportieren.

Also nutzen Sie die Faire Woche eher als Werbeaktion für Ihren Laden?
Nein, das nicht. Die Teilnahme an der Fairen Woche ist für uns als Weltladen ebenso wie für alle anderen Akteure freiwillig. Die Medienaufmerksamkeit, die gebündelten Aktionen und ein kanalisierter Konsumentenstrom machen die Faire Woche für den Fairen Handel generell sehr attraktiv. Das ist zugleich unsere jährliche Motivation mitzuwirken. 

Für unseren Weltladen aber ist die Maßnahme weniger werbewirksam. Das liegt vor allem an unserem Standortvorteil, bei dem Einzelaktionen zusehends in den Hintergrund gerückt sind. 

„Süße Fairsuchung“ nennen Sie Ihre Aktion im Weltladen. Was genau planen Sie?
Im September kommen exotische Schokoladenprodukte von GEPA und ein neues Fruchtgummisortiment von dwp (dritte-welt-partner) auf den Markt. Wir erweitern also unsere Auswahl im Laden und können zur Fairen Woche jeden Tag etwas Neues anbieten und gleichzeitig über Produktion und Lieferstrukturen informieren.

Das positive Image des Fairen Handels ist nicht zuletzt durch aktuelle Medienberichterstattung in Frage gestellt worden. Wie gehen Sie mit kritischen Nachfragen um?
Ich finde es vor allem erst einmal positiv, dass der Faire Handel überhaupt kritisiert wird. Das ist ein Fortschritt, weil die meisten inzwischen über die Bemühungen und Praktiken des Fairen Handels gehört haben. Mit jeder misstrauischen Publikation werden Handelspartner und Marktakteure außerdem in die Pflicht genommen, Position zu beziehen und zu erklären. 

Leider wird in den Medien vieles miteinander vermischt. Fairtrade zum Beispiel ist das bekannteste Siegel, bildet aber nicht flächendeckend den Fairen Handel ab. Viele Kunden fragen uns, wieso dies auf vielen Produkten im Weltladen nicht zu finden ist. Dann steigen wir natürlich gerne in ein ausführliches Gespräch ein. Eine Differenzierung ist allerdings immer schwieriger zu vermitteln, weil die Themen komplexer werden. 

Stichwort Mengenausgleich, der die physische Trennung bei der Verarbeitung von Fairtrade Zucker, Kakao, Fruchtsaft und Tee aufgrund von Handelsstrukturen nicht garantieren kann?
Genau. Vereinfacht gesagt verkauft der Bauer seinen Fairtrade Rohstoff zum Beispiel an eine Zuckermühle. Weil der Anteil an Fairtrade Zucker zu gering für eine eigene Produktionslinie ist, kann hier eine Trennung von Fairtrade und konventionellem Zucker nicht gewährleistet werden. Das Produkt darf dennoch das Siegel tragen, wenn in der Bilanz die Summe von eingekaufter und verkaufter Menge an Fairtrade-Produkten in der gesamten Lieferkette stimmt. Das ruft natürlich Kritiker hervor, wobei ich die Argumentation von Transfair e.V. durchaus nachvollziehen kann. 

Aber ein Vertrauensverlust für den Fairen Handel wäre eben für alle Akteure extrem schädlich. Der Faire Handel hat originär das Ziel Marktstrukturen zu verändern, das ist mit dem so genannten Mengenausgleich aus meiner Sicht fast nicht erreichbar. 

Kaffee, Kakao, Bananen und Orangensaft sind klassische Produkte des Fairen Handels. Die Plantagen oder Kooperativen wirtschaften in Ländern des Südens. GEPA weitete die Kriterien des Fairen Handels bereits 2011 für Milch und seit 2014 auch auf Hartweizen aus und bezieht damit auch Länder des Nordens mit ein. Verwirrt das die Verbraucher nicht mehr als das es dem Fairen Handel nutzt? 
Die Garantie eines Mindestlohns ist ein wesentliches Kriterium des Fairen Handels. Immer mehr Produzentengruppen zum Beispiel in der Milch- oder Getreidewirtschaft im Norden produzieren ebenfalls unter schwierigen Bedingungen. Hier setzt GEPA gemeinsam mit dem Bio Anbauverband Naturland an und sichert das Einkommen der Erzeuger. Auch wenn damit erneut ein Siegel auf den Markt gekommen ist (Naturland und Fair), ist diese Entwicklung in meinen Augen konsequent und richtig. 

Vielen Dank Herr Knipping für das Gespräch. 
Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche und schöne Faire Woche 2014. 

 

Zum Nachlesen: 

Alle Aktionen zur Fairen Woche 2014: www.faire-woche.de
Das Netzwerk des Fairen Handels Deutschland: Forum fairer Handel: www.forum-fh.de
Dachverband der Weltläden: www.weltlaeden.de 
TransFair e.V. - Die deutsche Siegelorganisation: www.transfair.org 
Grundsätze des Fairen Handels und Überblick über verschiedene Siegelinitiativen: http://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/siegel-des-fairen-handels
Fair Labelling Organization (FLO) - Internationaler Zusammenschluss der nationalen Siegelorganisationen: www.fairtrade.net 
GEPA - Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH: www.gepa.de
El Puente - Partnerschaftlicher Welthandel: www.el-puente.de 
Label-Datenbank mit Labelbewertungen und Suchfunktion: www.label-online.de

 

Text/Interview: Ariane Post 

Ariane Post ist Diplom Oecotrophologin und Journalistin und schreibt vor allem über Bio, Nachhaltigkeit und den Außer-Haus-Markt. Mehr unter www.bioimpuls-redaktion.de

Fotos: ©Weltladen Münster