Kritisches Palmöl

Palmöl ist technologisch ein Alleskönner und daher ein ebenso günstiger wie begehrter Rohstoff für die Industrie. Weil der überwiegende Anbau weder für Mensch, Tier oder Landwirtschaft nachhaltig ist, informieren Umweltschutzverbände seit Jahren über die Folgen.

Ölpalmen in Malysia

Zwölf Millionen Hektar Fläche gibt es inzwischen weltweit an Palmölplantagen. 90 Prozent des Anbaus konzentriert sich dabei in Indonesien und Malaysia. Um den enormen Bedarf, vor allem für Lebensmittelproduzenten zu decken, entstehen immer neue Plantagen. Aber die Nachfrage nach Palmöl hat ihren Preis. Neue Plantagen können nämlich nur durch frei werdende Flächen in den Tropen angelegt werden. Brandrodung ist die Folge und zerstört so tausende Hektar Lebensraum für Tiere und Pflanzen. 

Nach Angaben des WWF kommt jeder zweite industriell hergestellte Artikel im Supermarkt nicht ohne Palmöl aus. So findet es sich zum Beispiel in Margarine, Backwaren, Chips oder Süßwaren. Im Hygiene- und Haushaltsbereich wird Palmöl in Shampoos, in der Zahnpasta oder im Waschmittel eingesetzt. Auch „Bio“ Diesel kann Palmöl enthalten.
Ab November muss Palmöl auf Lebensmitteln klar deklariert werden, die Übergangsfrist der angepassten EU Verordnung endet dann und macht eine genaue Kennzeichnungspflicht bindend. Begriffe wie „Pflanzenöl“ oder „pflanzliches Öl“ muss fortan in Klammern gemäß der Mengenreihenfolge genau definiert werden. Da hilft der Blick aufs Etikett auf jeden Fall.
Aber in Haushalts- und Hygieneprodukten bleibt Palmöl weiterhin hinter „Sodium Lauryl Sulfoacetate“ oder „Cetyl Palmitate“ und vielen weiteren Unverständlichkeiten verborgen.


Nahrungsmittel, Haushalt, Hygiene und Kosmetik: schätzungsweise jeder zweite industriell hergestellte Artikel im Supermarkt kommt nicht ohne Palmöl aus!

 

Zertifiziert aber wenig nachhaltig: RSPO Palmöl

Der schlechte Ruf von palmölhaltigen Waren ist nicht neu. Darum greifen viele Verbraucher gerne zu Produkten, die das RSPO Siegel tragen und damit zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl versprechen. 2004 hat der WWF den Round Table Sustainable Palm Oil (RSPO) gemeinsam mit Lieferanten, Händlern, Produzenten und Herstellern von Konsumgütern initiiert. Gemeinsam wurden Mindeststandards für den Anbau von Palmöl definiert. Damit hat der RSPO den Anfang für eine nachhaltige Entwicklung in der Palmölindustrie gemacht. Aber inzwischen ist der „Runde Tisch“ vielfach kritisiert worden. Umweltschutzverbände wie Robin Wood, Rettet den Regenwald oder Greenpeace bemängeln, dass den Vorsitz des RSPO ein Manager des weltgrößten Verbrauchers von Palmöl (Unilever) führt. Außerdem basieren die Standards lediglich auf Grund- und Menschenrechten, was nicht verhindert, dass Palmöl aus Regenwaldzerstörung in die Lieferkette gelangen kann. Der WWF selbst erklärt, bei der Initiative ginge es um ein Streben nach einer Lösung mit allen Beteiligten der Palmöl Industrie und räumt ein, dass auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit viele Mitglieder des RSPO noch einen weiten Weg vor sich haben. 

Ölfrüchte

Kritik auch für Bio Palmöl

Produkte aus kontrolliert biologischem anstatt konventionellem Anbau sind in vielen Fällen eine verantwortungsbewusste Einkaufsalternative. Auch Greenpeace ist grundsätzlich der Meinung, die Ölpalme könne ökologisch und sozial vertretbar angebaut werden. „Wenn über eine weltweite Nachfrage nach Pflanzenöl gesprochen wird, muss man sich überlegen wie diese Mengen ökologisch und sozial am vertretbarsten produziert werden können. Da ist der Anbau von Ölpalmen nach Biokriterien sicherlich eine Möglichkeit“, argumentiert Gesche Jürgens, Waldkampaignerin bei Greenpeace. 

Obwohl der Plantagenanbau aus ökologischer Erzeugung auf Pestizide und Kunstdünger verzichtet, gab es auch für den kontrolliert biologischen Anbau vor drei Jahren Landkonflikte. Einem der wichtigsten Hauptlieferanten für Bio Palmöl aus Kolumbien warf man gewaltsame Vertreibung der Bauern vor, um eine Bio Palmölplantage anzulegen. Laut Medienberichten hat sich das Unternehmen daraufhin aus dem kritischen Projekt zurückgezogen, Rettet den Regenwald e.V. allerdings bemerkt hierzu: „Den Landkonflikt hat die Firma unserer Meinung nach nicht zufriedenstellend gelöst. Außerdem haben wir die deutschen Kunden bereits ein Jahr vor der Kritik auf Missstände wie zum Beispiel der Verschmutzung eines 15 Kilometer langen Küstenstreifens mit Palmöl hingewiesen.“ 

Mit fairen als auch ökologischen Produktionsbedingungen wartet laut Berichten des Weltladen Dachverbands Palmöl aus Ghana auf. Die organisierten Kleinbauern sind Bio und Fairtrade zertifiziert und basieren auf einer Initiative vom Naturseifehersteller Dr. Bronner. Das Palmfett von Serendipalm ist eine Kooperative und Handelspartner von Gepa und Rapunzel. 600 Bauern bewirtschaften zwei Hektar Land und sichern sich so ihre Lebensbedingungen heißt es.
 

Besser palmölfrei?

Dem RSPO Siegel wird vorgeworfen, der Palmölindustrie ein ökologisches Deckmäntelchen zu verschaffen und auch zertifiziert ökologisch produziertem Palmöl wurden Landkonflikte nachgewiesen. Ein Grund warum Rettet den Regenwald e.V. der Meinung ist, dass unsere Nahrungsmittel und Futtermittel soweit wie möglich aus lokaler Produktion stammen sollten. Anstatt Palmöl stehe eine Vielzahl andere Ölsaaten zur Verfügung. „Palmöl wird vor allem eingekauft, weil es im Vergleich zu Pflanzenölen aus heimischer Produktion billiger ist“, lautet die Meinung Schencks. 

Technologisch allerdings ist Palmöl mit Kokosöl das einzige Fett, das bei Raumtemperatur flüssig wird und geschmacksneutral ist. Darum ist es für die Industrie und den Verbraucher in der Praxis gar nicht so einfach auf Palmöl zu verzichten. 

Eine sehr gute Einkaufshilfe bietet der Verein Umweltblick und stellt eine Liste mit palmölfreien Produkten und Deklarationen, hinter denen sich Palmöl verbergen kann: http://www.umweltblick.de/index.php/branchen/produkte-ohne-palmoel.
Rettet den Regenwald e.V. bietet ebenfalls online viele praktische Tipps zur Verfügung Palmöl zu vermeiden und listet Hersteller und Produkte, die Palmöl enthalten: https://www.regenwald.org/themen/palmoel/praktische-tipps.
Utopia zeigt außerdem palmölfreie Varianten für Bio Früchte-, Schoko- und Knuspermüsli auf:
http://www.utopia.de/produktguide/essen-trinken-39.


Zum Weiterlesen:

Deklaration von Palmöl in Produkten: 
http://www.umweltblick.de/index.php/deklarationen-palmoel

Video „Der Weg des Palmöls von Greenpeace“
http://www.youtube.com/watch?v=mCjH51-gakk&feature=youtu.be

Round Table sustainable palm oil
http://www.rspo.org/

Stellungnahmen von Naturkosmetik Herstellern über Palmöl in ihren Produkten: http://the-vegan-lady-life.blogspot.de/2014/04/palmol-in-kosmetik-teil-2.html


Text: Ariane Post 

Ariane Post ist Diplom Oecotrophologin und Journalistin und schreibt vor allem über Bio, Nachhaltigkeit und den Außer-Haus-Markt. Mehr unter www.bioimpuls-redaktion.de

Fotos: 
via Wikimedia Commons (gemeinfrei):  http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AOilpalm_malaysia.jpg 
(von Craig)  Opens external link in new windowhttp://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fruit_oil_palm.JPG

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